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Zusammenstöße von Segelflugzeugen

Obwohl dieser Bericht bereits im Jahre 1995 veröffentlicht wurde, dürfte die Thematik immer noch aktuell sein.

Flugunfall-Information von der Flugunfalluntersuchungsstelle beim LBA, August 1995, auszugsweise:

Nachdem Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre die Zahl der Zusammenstöße zwischen Segelflugzeugen nicht mehr tolerierbare Ausmaße (15 pro Jahr) angenommen hatte, wurde das Thema vom DAeC und von der Flugunfalluntersuchungsstelle (FUS) aufgegriffen. In diesem Jahr 1995 krachte es jedoch bisher schon sieben Mal in der Luft, beim normalen Thermiksegelflug in der Nahe von Flugplätzen, bei Wettbewerben und beim Hangsegelflug. Zwei Segelflugzeugführer wurden getötet. Den anderen gelangen - mit sehr viel Glück - sichere Landungen mit ihren schwer beschädigten Segelflugzeugen.

Die Segelflugbetriebsordnung empfiehlt:

Also:

Ständig und aufmerksam den Luftraum beobachten!

Wenn es eng wird, defensiv fliegen!

Im Zweifelsfall lieber den Absaufer als das Leben riskieren!


Gastflug, glücklicherweise ohne Folgen

Dr. Günter Horn, Juli 2000

Den folgenden Bericht gebe ich unkommentiert wieder. 
Ich kenne die Hintergründe nicht, muss aber zugeben, dass sie leider oft "typisch" sind.

Bei einem Gastflug mit einem TWIN III SL kam es zu einer Annäherung mit der auf dem Abstieg befindlichen Absetzmaschine der Fallschirmspringer über dem Flugplatz.

Die Annäherung erschien mir ziemlich kritisch, vor allem da die Cessna in gleicher Höhe von hinten kommend rechts an mir vorbeischoss. Dadurch hatte ich keinerlei Ausweichmöglichkeit. Ein Überholmanöver hätte auf der linken Seite erfolgen müssen, daher nahm ich an, dass der Pilot der Cessna mich übersehen hatte.

Nachdem ich den Piloten der Cessna über Funk gebeten habe etwas mehr raus zu gucken, teilte er mir lapidar mit, dass er mich seit einiger Zeit gesehen habe. Es handelte sich also nicht um einen „near miss“, sondern um einen vorsätzlichen knappen Vorbeiflug.

Als am Abend der Pilot der Cessna auf den Vorbeiflug angesprochen wurde, stellte er sich auf den Standpunkt, keine gefährliche Annäherung geflogen zu haben. Er sei zwar knapp aber mit ausreichendem Abstand an dem Segelflieger vorbei geflogen. Eine plötzliche Richtungsänderung des Segelflugzeuges hätte der Pilot rechtzeitig erkennen und ihr ausweichen können. Leider wurde sein Standpunkt nicht in der hier beschriebenen sachlichen Art erörtert, sondern wurden in einer emotional geladenen Beschimpfung dargelegt.

Ich möchte noch einmal einige Punkte aufführen und auf diesem Wege diesen Zwischenfall nicht, wie normalerweise üblich, auf sich beruhen lassen.

Der Twin flog ca. 120 km/h und suchte Thermik. Bei Einflug in einen Aufwind hätte es jederzeit zu einer hochgezogenen Fahrtkurve nach rechts oder links mit relativ heftiger Fahrt- und Richtungsänderung kommen können.

Ich habe also einen Fluggast, dem ich die Schönheit des Segelflugs zeigen wollte, mit mir in die Luft genommen. Er hat sich mir anvertraut und sich vollständig auf mich verlassen und darauf, dass ich ihn wieder heil herunterbringe. Ich muss leider feststellen, dass ich fast sein Vertrauen enttäuscht hätte. Das schlimmste ist, dass ich wahrscheinlich den Absprung geschafft hätte, und mit ansehen hätte müssen, wie er es nicht schafft. Vom Fallschirm aus, ohne Möglichkeiten einzugreifen. Glücklicherweise ist das gestern nicht passiert. Aber es hätte mit ein wenig Pech ohne weiteres passieren können!

Die von mir angestellten Überlegungen sind nicht aus der Luft gegriffen. Sie sind in genau dieser Konstellation am 15.5.97 in 1000 Meter Höhe über einem süddeutschen Platz passiert.
 

WARUM?????

Weil ein Pilot seine Flugkünste durch unnötig gewagte Flugmanöver beweisen möchte. Dies ist nichts anderes als Macho-Verhalten und hat mit verantwortungsbewusster Flugzeugführung nichts mehr zu tun. Beide verursachenden Flugzeugführer sind übrigens aus der gleiche Generation, aufgewachsen im 2. Weltkrieg aber gerade zu jung, um in der Luftwache fliegen zu dürfen.

Die Uneinsichtigkeit des Piloten lässt sich mit folgenden Zitaten auf haarsträubende Weise nachvollziehen:


Dass ich Ingenieur bin, habe ich ihm nicht mitgeteilt, das tut schließlich nichts zur Sache.
Als ich zugab, Fluglehrer zu sein, hat er ein wenig geschluckt, aber das tut erst recht nichts zur Sache.

Der Flugzeugführer der Cessna ist mit einer sehr großen Flugerfahrung gesegnet. Er fliegt unermüdlich Fallschirmspringer aus Flugfläche 100, um dann wieder abzusteigen. Anscheinend fühlt er sich aber als unfehlbarer Fliegergott, der alles darf, und der alles kann.

Funksprüche wie
Info: „UP die Bahn ist frei, 8 knoten Rückenwind, so viel für Windstill“
Cessna: „8 Knoten ist für mich Windstill“
sind nur ein Beispiel. Warum erklärt er nicht, dass bei der abschüssigen Bahn, heißem Wetter und vollbeladener Maschine der Rückenwindstart doch sicherer scheint, als den Berg hoch zu starten. Bloss keine Schwäche zugeben.

Ich schreibe diesen Aufsatz nicht, um einen Piloten runter zumachen und zu erniedrigen. Ich weiß aber, dass es an vielen Plätzen diese Sorte Flugzeugführer gibt. Was mich immer wieder erstaunt, ist dann das Unverständnis des gesamten Flugplatzes, wie denn diesem so erfahrene Pilot plötzlich ein Unfall passieren konnte. So auch nach dem 15.5.97. Nur hinter vor gehaltener Hand wird dann gesagt, er wäre ja jetzt schon in die Jahre gekommen.

Leider sind die Macho-Piloten  immer wieder Vorbilder für junge unerfahrenere Piloten.
Wenn die Stunts dann selber ausprobiert werden, geht es oftmals schief.

 

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