DG Flugzeugbau GmbH / Passion, Power + Performance

Der ultimative Wochenendausflug

Wilhelm Dirks, den ich wohl nicht extra vorzustellen brauche, ist nicht nur ein bekannter Konstrukteur sondern auch ein begeisterter Segelflieger.
Hier der Bericht über ein wirklich ungewöhnliches Wochenende:

Alpensegelflug ab Startplatz Karlsruhe

von Wilhelm Dirks

Wilhelm Dirks 1998

Am Wochenende vom 3. und 4. Juli 1999 herrschte eine Hochdrucklage, so dass mir ein Flug von Karlsruhe in die Alpen möglich erschien. Das war das Wochenende, an dem es im Rheintal über 33°C warm wurde und keine vernünftige Thermik gab.

Doch um 11:30 Uhr waren im Schwarzwald die ersten Quellungen zu erkennen. Mit einer DG-808B ist es natürlich kein Problem, diese zu erreichen und nach einem Steigflug auf 1.000m über Platz fand ich den ersten Aufwind, in dem ich nach einigem Suchen und Verbessern bis auf 2500m hoch steigen konnte. Danach gab es allerdings einen langen Gleitflug Richtung Süden, da die Thermik nur im Nordschwarzwald und dann erst sehr viel weiter südlich eingesetzt hatte.

Ein kurzer Motorsteigflug war nötig, um südlich vom Flugplatz Winzeln wieder thermisch weiter fliegen zu können. Ein Segelflug wäre hier bereits zu Ende gewesen.
Den letzten Bart nutzte ich südlich vom Schluchsee und dann war wieder ein langer Gleitflug Richtung Süden fällig. Aus dieser Höhe konnte ich Wolken in den Alpen erkennen, allerdings nicht, ob die Basis dort auch ausreichend hoch war. Im Schweizer Jura war keine thermische Entwicklung spürbar. Am Flugplatz Birrfeld wurde fleißig geschleppt, aber keines der Segelflugzeuge hatte merkliches Steigen. Mit einem Bedauern für die Birrfelder Segelflieger fuhr ich den Motor aus und holte mir mit 2 kurzen Steigflügen die nötige Höhe, um am nördlichsten Alpenkamm an den Grate westlich vom Pilatus am Vierwaldstätter See die ersten Wolken zu erreichen.

Aletsch Gletscher 

Aletsch-Gletscher

Die Basis lag hier bei nur 2.200m. Als ich auf die südliche Talseite wechselte, ging es dort bereits auf 3.000m, hoch genug um über den Grimmsel Pass nach einem intensiven Blick auf den Rhonegletscher ins obere Rhonetal zu fliegen. Am Nordrand des Rhonetals konnte ich schnell weiter auf 3.500m steigen, hoch genug um einen Abstecher über die Eiswüste des Aletschgletschers, des längsten Gletschers der Alpen, zu wagen. Kurz vor der Bergstation der Jungfraujochbahn machte ich kehrt, um anschließend das  Rhonetal zu überqueren und über Grächen ins Mattertal Richtung Zermatt zu fliegen. Bereits der erste Bart im Wallis ging auf 4.000m, so dass ich dann problemlos ohne Höhenverlust das Monterosa Massiv entlang fliegen konnte, über die imposanten Gletscher, die meiner Meinung nach die schönsten der Alpen sind.

Interessant war der Blick auf die italienische Seite, dort sah ich von oben auf die Wolken herab, der Boden war nicht zu erkennen. Beim Blick hinunter auf den Gornergrat erinnerte ich mich an eine Fahrt dort hinauf mit der Gornergratbahn vor einigen Jahren. Da es Richtung Westen sehr gut aussah, war angesichts der hohen Basis der Entschluss, bis zum Mont Blanc weiter zu fliegen, schnell gefasst. Vorbei am Matterhorn ging es auf Direktkurs zum höchsten Berg der Alpen. Am Mont Blanc Massiv konnte ich genau in Höhe der Bergstation dieser wahnsinnigen Seilbahn vorbei fliegen. Die Erinnerung an eine Fahrt mit dieser Bahn, die zum Schluss fast senkrecht in die Bergstation hineingezogen wird, ließ mich schaudern. Da fühlte ich mich in der DG-808B doch wesentlich sicherer.

Nach einem letzten Aufwind über Chamonix entschloss ich mich zum Endanflug auf den Alpenflugplatz von Saanen, der nördlich des Hauptkamms östlich vom Genfer See in 1000m Höhe liegt. Ich fragte mich ob dort wohl schon Segelflugbetrieb sei, oder ob ich den Abend ganz alleine verbringen müsse.
Geburtstagsgrüße direkt vom Konstrukteur

Auf der Suche nach einem Stellplatz erkannte ich, dass ich mit meiner DG-808B nicht so ganz alleine war, denn dort stand bereits die DG-808B FK des Berners Fritz Krebs. Sobald ich meine Haube öffnete, wurde ich von mehreren Berner Segelfliegern begrüßt, die dort vor einigen Tagen ihr Alpenfluglager eröffnet hatten.

Auf meine Frage, wo man abends denn so essen gehen könnte (eine berechtigte Frage, denn ich war bereits 7 ½ Stunden in der Luft gewesen), meinten sie, ich käme gerade richtig, denn ein DG-400 Pilot würde zusammen mit seiner Frau den 125. Geburtstag feiern. Tatsächlich, es waren mein Bekannter Reni (Rheinhard Richner) und seine Frau Ruth, er 75 und sie 50 Jahre alt. Reni war nach seiner Zeit als Militärpilot bis zu seinem 60. Lebensjahr als Swissair Captain tätig und ist nun seit 15 Jahren DG-200 und DG-400 Pilot. Seine Devise lautet: DG- Fliegen hält jung. So fit wie er ist, kann man dieser These nicht widersprechen.

Das war ein wundervoller Abend. So wohl hatte ich mich lange nicht mehr gefühlt: Erst dieser außergewöhnliche Flug, dann der Abend im Kreis meiner Freunde (es kamen nämlich immer mehr DG- Piloten zusammen) und dazu noch die angenehmen Temperaturen in 1.000m Höhe. Das war etwas ganz anderes im Vergleich zu den schwülen Abende bei uns zu Hause im Rheintal. Es gab nur ein Problem: nämlich nicht so viel vom guten Roten zu trinken, so dass am nächsten Tag Kopfschmerzen den Rückflug vermiesen könnten.
 

Rückflug mit Atomkraft

Nach dem Start am Sonntagmittag zeigte sich die Saaner Thermik gleich von der besten Seite, so dass der erste Aufwind gleich auf 3.000m reichte und den Sprung ins Rhonetal ermöglichte. Leider war die schlechte Südluft schon so weit vorgedrungen, dass im Wallis keine brauchbare Thermik mehr zu finden war. Um 15:30 Uhr  stieg ich am Hauptkamm auf 3.800m Höhe und setzte zu einem langen, langen Gleitflug an.

Über dem Mittelland und auch im Jura gab es natürlich wieder keine Thermik, doch die Höhe reichte gerade bis zum Atomkraftwerk am Rhein. Aber meistens geht das nicht! Doch im Anflug konnte ich eine kleine Dampfsäule über dem Kühlturm pulsieren sehen. Offensichtlich war der Rhein so warm, dass man über den Turm und nicht über den Rhein kühlte. Und tatsächlich, es ging mit 3 m/s hoch. Also statt „SOLO-Power“ Flug mit Atomkraft.

Leider darf man wegen des Züricher Luftraumes dort nur auf 1.500m steigen. Ich stellte mir die Frage, ob das wohl zum Anschluss im Schwarzwald reichen würde? Wohl kaum, denn die ersten Wolken standen weit entfernt nördlich vom Schluchsee. Gerade als ich in niedrigerer Höhe den Zündschalter betätigen wollte, erbarmte sich meiner ein einsamer Blauthermikbart, so dass „SOLO-Power“ wieder nicht von Nöten war. Hinter dem Schluchsee kam ich auf 3.000m Höhe, auf die ein fast endloser Gleitflug folgte, denn die nächsten Wolken standen erst nördlich von Freudenstadt. Dafür war der erste Bart dort um so besser, es ging mit 4,3 m/s auf 2.700m, viel zu hoch für einen Anflug nach Karlsruhe. Aber kann man so einen Bart einfach stehen lassen, wenn man nicht gerade auf einem Wettbewerbsflug ist? Also erst hoch, dann Knüppel vor und Richtung Heimat.

Vorbei ging es an einem riesigen Wolkengebirge, welches sich über dem Nordschwarzwald zu einem heftigen Gewitter zusammenbraute. Im Anflug auf Karlsruhe verwandelte sich die Lüftung in einen Heißluftföhn. Das war dort wohl der heißeste Tag des Jahres. Nur noch einige hartgesottene Akaflieger waren am Platz. Alle anderen hatten die Fliegerei wegen der Hitze längst aufgegeben.

Damit war ein Superflug zu Ende - ein Flug, der in dieser Form vom Startplatz Karlsruhe aus nur mit einem Motorsegler wie der DG-808B mit Gleitzahl um die 50 möglich war.
Viele, viele Kilometer, noch viel mehr atemberaubende optische Eindrücke, ein wundervoller Abend und das alles für nur sieben Liter Sprit!!!

-  w-dirks / August 99  -

Anmerkung vom Webmaster:
"Wilhelm - ich beneide Dich!"

 

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