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Zukunft des Segelflugsports

Wohin geht der Weg?

von HANNO OBERMAVER aus Magazin Segelfliegen 1/2009

Wir alle wissen, dass die drei magischen Buchstaben OLC, der „Online-Contest", für eine Erfolgsgeschichte der Extraklasse steht. Für uns Segelflieger ist OLC ein klingender Name, ein Qualitätsbegriff, ein „Brand", d.h. ein Markenzeichen, das inzwischen über die Grenzen Deutschlands hinaus weltweit bekannt und anerkannt ist. Ohne zu übertreiben kam man sagen, dass „der OLC" geradezu als ein Glückkfall für unseren Segelflugsport anzusehen ist.

Das Geheimnis des OLC ist eigentlich einfach. Es besteht letzten Endes darin, die Freude am Fliegen zu fördern. Um Reiner Rose zu zitieren: „Es muss einfach Spaß machen!" Der OLC ist aber auch ein Vorbild dafür, wie man mit innovativen Ideen unseren Sport bereichern und Zukunft gestalten kann. Damit bin ich bei dem Thema das uns alle bewegt, der Zukunft unseres Sports.

Gleich vorweg: Zukunft vorherzusagen ist gänzlich unmöglich. Auch ich kann nicht sagen was kommt. Vielleicht — und das ist mein Ziel — lässt sich sagen worauf es ankommt, d.h. welche Strategien sich für die Zukunft entwickeln lassen.

 

Wo stehen wir, in welcher Situation befinden wir uns?

Wir waren und sind immer noch — segelfliegerisch gesehen — in geradezu paradiesischen Verhältnissen. Es gibt hier in Deutschland hunderte Flugplätze, mehrere hundert Luftsportvereine und nahezu zehntausend Segelflugzeuge. Vereine sind der Schlüssel in und zu unserem Sport. Sie ermöglichen uns letzten Endes das Fliegen, indem sie Flugplätze unterhalten, ihren Mitgliedern Flugzeuge zu Verfügung stellen und Ausbildung betreiben. Durch unsere Vereine ist es für jedermann möglich, einfachen und kostengünstigen Zugang
zum Fliegen zu finden. Und so ist unser Sport ohne Vereine undenkbar. Noch ist Segelflug hierzulande fast ein Breitensport.

Dies ist in vielen anderen Ländern der Welt schon gar nicht der Fall. Dort lebt man als Segelflieger geradezu in einer Art Diaspora, man muss weit fahren, um überhaupt Gleichgesinnte zu finden. Da es wenige Clubs gibt, ist Segelfliegen dort meist mit hohen Kosten verbunden, höheren als bei uns. Oft sind die Wetterbedingungen zum Segelfliegen nur eingeschränkt geeignet und die Bürokratie gänzlich unerträglich.

Wenn wir zurückblicken, so hat der Aufschwung des Segelfluges in den vergangenen 4o Jahren auch damit zu tun, dass wir einen Paradigmenwechsel in der Bauweise unserer Flugzeuge hatten. Der Technologiesprung von der Holz-Gemischtbauweise hin zu Faserverbundbauweise war der Schlüssel für einen Leistungssprung unserer Segelflugzeuge — unserer „Sportgeräte" — ohnegleichen, der nachgerade alles beflügelt und unseren Sport unglaublich weitergebracht hat. Und vergessen wir auch nicht die stabilen politischen Bedingungen in Europa mit dem hohen relativen Wohlstand,der es uns überhaupt erlaubt, unseren Hobbys nachzugehen.

Wo sind unsere Risiken? Gibt es überhaupt Probleme? Ja, jeder von uns kennt sie! Sie sind leicht zu identifizieren.

 

Mitgliederrückgang im Segelflug!

Problemfeld Nummer eins ist der Mitgliederrückgang im Segelflug weltweit, besonders aber in Deutschland. Vor 15 Jahren hatten wir 45.000, heute haben wir noch 31.000 gemeldete Mitglieder. Extrapoliert man diese Entwicklung, dann haben wir in 15 Jahren etwa noch die Hälfte der Mitglieder von heute. Dies verstärkt sich eher, wenn man die ungünstige Alterspyramide in diese Rechnung mit einbezieht. Segelfliegen, ein Sport alter Männer, das wäre nicht gerade ein viel versprechendes Image!

Der Mitgliederrückgang hat Folgen auf allen Ebenen, auf unsere Finanzen und unsere Strukturen, auf den Unterhalt von Fluggeländen, auf Ausbildung, Breitensport und den Spitzensport. Hier besteht auf lange Sicht eine existentielle Bedrohung und die Gefahr, nicht mehr wahrgenommen oder gar ernst genommen zu werden! Wir sind dabei, uns zu einer Randsportart zu entwickeln. Dies ist eine bittere Einsicht und Wahrheit!

 

Bürokratie auf allen Ebenen

Bürokratien im weitesten Sinn bedeuten Kosten, Zeit, Aufwand. Diese fehlen uns dann für unseren Sport. Der Gegenwert überbordender Vorschriften ist
bestenfalls marginal, für die Sicherheit meist gar kontraproduktiv.

Bürokratie ist kein Problem des Segelfluges allein, wir kennen dies aus Politik, von Beruf, Schule und Alltag, Sie ist Teil unserer gesellschaftlichen Entwicklung. Offenbar ist es auf keiner Ebene mehr möglich, Dinge möglichst einfach zu regeln und dem Bürger Freiheit und eigenen Verstand zuzugestehen.

Deshalb glaube ich, dass wir ungeachtet aller Mühen und Anstrengungen unserer Verbände in der Substanz wenig Verbesserung erreichen werden, dies meine pessimistische Prognose.

 

Lufträume

Wir haben keine Sporthallen oder Trainingsplätze. Unsere Arena ist die Landschaft, ist Geographie, ist der Luftraum. Die für uns nutzbaren Lufträume werden seit Jahren kontinuierlich in dem Maße kleiner, wie die gewerbliche Luftfahrt, wie Verkehrs- und Billigfliegerei zunehmen. Auch hier ist keine richtige Rezeptur erkennbar, wie man wirksam dagegenhalten kann. Aber die korrekte Einhaltung der Regeln im Luftverkehr beim Überlandflug ist zwingend, um unseren Gegnern keine Angriffsflächen zu bieten.

 

Medienwirksamkeit

Wenn wir überhaupt von den Medien wahrgenommen werden, so ist die Berichterstattung durchaus meist wohlwollend. Gelegentlich werden wir nicht so ganz ernst genommen und—auch nicht selten —abwertend als Hobbyflieger deklariert.

In aller Klarheit muss aber gesagt werden: Ohne Medien existieren wir gar nicht! Wir brauchen die Medien. Diese uns aber nicht! Logischerweise sollten wir unseren Sport auch so gestalten, dass er für die Medien interessante Facetten bietet.

Verlassen wir uns dabei bitte nicht auf das Internet. Das Internet ist für Insider, mehr für uns selbst. Vergessen wir keinesfalls die Printmedien zu bedienen. Aber wer von uns ist bereit und in der Lage, spannende Geschichten über den Segelflug zu schreiben?

Wo sind die Jochen von Kalkreuths von heute? Und wo sind die Vorbilder von heute über die man schreiben kann, die „Heroes", die Vorzeigepersönlichkeiten? Entwickeln wir uns nicht immer mehr zu grauen Mäusen? Und wo bleiben wir überhaupt im TV? Wann waren wir das letzte Mal in ARD oder ZDF?

 

Konkurrenz

Luftsport betreiben kann man heute auch ohne Segelfliegen lernen zu müssen. Das war nicht immer so, der Mitgliederrückgang hat auch damit zu tun, dass wir ernstzunehmende Konkurrenz bekommen haben: Gleitschirmfliegen, Drachenfliegen, Heißluftballonfahren und das ganze UL-Fliegen.

Allein der DHV hat mehr Mitglieder wie Segelflieger im DAeC vertreten sind.

Und es ist nicht auszuschließen, dass sich in einigen Jahren ein guter Teil der Segelflieger unter dem Dach des UL-Fliegens wieder finden wollen. Täte es uns nicht gut, ein wenig vom hohen Ross herabzusteigen? Das Ziel ist die Kooperation aller Luftsportler unter einem Dach.

 

Risikofaktor „Innere Reibung"?

Stehen wir Segelflieger uns – etwas provokant formuliert – nicht auch oft selbst im Wege? Helfen denn Besserwisserei und Rechthaberei oder all die Rivalitäten, Eifersüchteleien und Kleinkriege in unseren Vereinen und Verbänden uns wirklich weiter? Können wir es uns leisten, jahrelang über Strukturreformen zu reden? Ist nicht auch Effizienz in unserem Handeln ein Gebot der Stunde?

 

Wo sind unsere Chancen?

Begegnen wir den Herausforderungen! Es gibt keinen Grund in Verzagtheit zu verfallen, im Gegenteil! Es gilt, unsere segelfliegerischen Tugenden wachzurufen: Diese sind Kampfgeist, Hartknäckigkeit, Durchhaltevermögen, gepaart mit Klugheit, Weitblick und Sensibilität. Vertrauen wir darauf, dass dies die Variablen sind, die – in der richtigen Mischung eingesetzt – helfen und auf Dauer zum Erfolg führen!
Was also können wir tun? Wo sind Erfolgsfaktoren, was sind die richtigen Konzepte? Wo finden wir – segelfliegerisch gesprochen – die besten Aufwinde? Meine Essentials für Wege in die Zukunft sind:

  • Neues wagen! Mut haben, den sportlichen Segelflug weiterzuentwickeln.
  • Wettbewerbsgedanken stärken, wo immer möglich.
  • Die Freude am Fliegen auf allen Ebenen zu fördern und Kohärenz unter den Luftsporttreibenden zu erzeugen. Zusammenarbeit als essentiell verstehen und leben.
 

Wege in die Zukunft

Die klassischen Wettbewerbe sind ein wirkliches Erfolgsmodell.

Mehr als 600 Teilnehmer waren bei den Qualifikationsmeisterschaften in diesem Jahr in Deutschland am Start. So viele hochkarätige Wettbewerbe, die ja nach den Regeln der Weltmeisterschaften geflogen werden, gibt es nirgends auf dieser Welt. Andere Nationen sehen dies mit großem Respekt.
Etwas erhalten heißt aber immer auch, dieses weiterzuentwickeln. Unsere Regeln sind zu kompliziert. Ist es nicht so, dass unsere Wertung oft nicht einmal unsere Wettbewerbspiloten selbst verstehen? Und so muss es ein Ziel sein, die Regeln und Auswertung Schritt für Schritt zu vereinfachen. Ziel sollte es auch sein, die Medien dabei stärker ins Spiel zu bringen. Große Meisterschaften sind die beste Gelegenheit und Chance, die Öffentlichkeit für unseren Sport zu interessieren. Beide Aspekte, Vereinfachung und Medieneinbindung, sind ein Muss! Hier gibt es viel Raum für kreative Ideen.

 

Innovative Entwicklungen erkennen und nutzen

Wie schaffen wir es, die Medien und auch uns selbst am Wettbewerbsgeschehen teilhaben zu lassen? Hier gilt es neue Techniken zu nutzen! Ganz sicher stehen uns in wenigen Jahren auch preisgünstige „Online" Übertragungsmethoden zur Verfügung. Wir sind dann in der Lage, mit Google-Earth plus MS-Flugsimulator, vielleicht den Funk dazu geschaltet, die Wettbewerbs- oder OLC-Flüge direkt zu Hause am PC oder am Fernseher mitzuverfolgen. Man kann in „real time" zuschauen, wie und wo geflogen wird.

Da eröffnen sich jede Menge Möglichkeiten. Stellen wir uns vor, am Samstagnachmittag sehen wir im Fernsehen eine Konferenzschaltung Segelflug-Bundesliga. Endlich könnten wir die Zuschauer am Erlebnis Segelflug besser teilhaben lassen. Der Grand Prix gehört immer noch in die Kategorie "Neues wagen". Der Grundgedanke ist ja der, einen medienwirksamen, auf TV-Bedürfnisse zugeschnittenen Wettbewerb anzubieten. In Deutschland hat er bisher eher zurückhaltende Resonanz gefunden. Hat es dieses Experiment nicht doch verdient fortgesetzt zu werden? Geben wir dem GP eine Chance und gestalten ihn auch hier in Deutschland aktiv mit.

 

Wiederbelebung von Regionalmeisterschaften

Wenn ich an zentrale Wettbewerbe denke, so denke ich besonders auch an kleinere Meisterschaften auf Vereinsebene oder im regionalen Umfeld mit kleineren an das Pilotenkönnen angepassten Flugaufgaben. Die technische Entwicklung hilft uns, solche Wettbewerbe einfach und effizient und ohne großen Organisationsüberbau durchzuführen. Wenn die Auswertung über OLC-Zusatzmodule erfolgen könnte, reicht eigentlich schon fast eine Person, ein Sportleiter. Folgen wir dem Motto:,,Einfach ist schön"! Nutzen wir die Chance, den Überlandflug und Leistungsgedanken über regionalen Meisterschaften zu fördern und Nachwuchspiloten Streckenerfahrungen zu vermitteln.

 

Dezentrale Wettbewerbe

Es gehört wenig Prophetie dazu vorherzusagen, dass im Bereich der dezentralen Wettbewerbe der DMST und OLC nach und nach zusammenwachsen werden. Blicken wir heute mehr in Richtung der segelfliegerischen Bestleistungen und der Rekorde. Weltrekorde werden heute zumeist in der Welle in Argentinien geflogen. Die Bestmarken sind in schwindelerregenden Höhen, sozusagen in der Stratosphäre und eigentlich nur von wenigen Spezialisten zu verbessern. So ist das Thema Weltrekorde doch ziemlich ausgeschöpft.

Kontinentalrekorde, wie z.B. Europarekorde, könnten für viele, auch jüngere Piloten ein Anreiz sein, Rekordversuche und Bestleistungen anzustreben. Wir brauchen Rekorde. Sie erzeugen Schlagzeilen und geben die Möglichkeit, Piloten ins Rampenlicht der Medienöffentlichkeit zu bringen. Ein Charme dieses Ansatzes besteht auch darin, fliegerisch bisher eher unbekannte Länder auf ihr segelfliegerisches Potential hin zu erforschen und ganz neue Streckenflugmöglichkeiten zu entdecken.

Zur besseren Klarheit im ganzen Rekordgeschäft sind Vereinfachungen notwendig. Folgen wir doch einfach dem Rat von Hans-Werner Grosse, Distanzrekorde nur als Aufgaben mit Wendepunkten zuzulassen, die nach dem Fluge deklariert werden. Geschwindigkeitsrekorde dagegen nur als „Pre-declared Tasks". Ein „Weniger" an Rekordtypen ist auch hier am Ende ein „Mehr".

 

Klassenrekorde

In Deutschland gibt es auch noch die fast vergessenen Segelflug-Klassenrekorde. Im Unterschied zu einem deutschen Rekord, der heute praktisch nur in Argentinien oder in Namibia geflogen werden kann, muss der Startpunkt in Deutschland liegen. Vielleicht gelingt es, dieses Thema durch Verbindung mit dem OLC und durch Umbenennung, z.B. in deutsche Bestleistung, wieder zu aktivieren.

 

Segelflugzeugklassen

Ein eher schwieriges Thema ist die Frage künftiger Segelflugzeugklassen. Auf lange Sicht ist die Vielzahl der Klassen, in denen Welt- und Europameisterschaften geflogen werden, kaum zu halten. Sicher wird die „world dass" (in Deutschland ohnehin ohne Bedeutung) als erste aufgegeben, aber was kommt dann? Ob es sinnvoll ist, dass die IGC dem Ruf der kleineren Nationen folgt, eine Leichtgewichtsklasse mit 13,5 m Spannweite und limitiertem Gewicht einzuführen? Lange lässt sich über den richtigen Weg diskutieren.

Auf jeden Fall sollten wir die Diskussion konstruktiv führen. Es gibt auch gute Argumente für Segelflugzeuge, die nach UL-Kriterien zugelassen sind. Wichtig ist am Ende dass auch preisgünstige Flugzeuge zu kaufen sind.

Damit sind wir bei der Clubklasse. Die Clubklasse hat sich zu einer wirklich erfolgreichen FAI-Klasse hin entwickelt. Aber wohin geht der Weg? In einigen Jahren sind diese Flugzeuge fast 50 Jahre alt. Diskussionen über die Clubklasse waren schon immer schwieriger zu führen, viele Standpunkte wollen bedacht sein. Worauf es ankommt ist, das Konzept der Clubklasse einen Schritt weiter in die Zukunft zu bringen.

 

Ranking Liste

Die Einführung einer nationalen Rangliste gehört unbedingt zu einer „To do"-Liste, sie dient vor allem anderen der Motivation unserer Piloten. Für diese bietet sie die Möglichkeit, sich über die Grenzen eines Wettbewerbs, einer Klasse und über einen längeren Zeitraum hinweg zu vergleichen. Auch für solche Piloten, denen es in ihrem fliegerischen Leben nicht möglich war, in die Nationalmannschaft zu kommen oder an einer Europa- oder Weltmeisterschaft teilnehmen zu dürfen, dürfte es eine Bestätigung der eigenen Leistung sein, z.B. unter die TOP 100 der Wettbewerbssegelflieger zu kommen. Vergessen wir auch nicht die für unseren Sport so wichtige Medienarbeit. Mit Spitzenplätzen in einer nationalen Rangliste lässt sich auch auf der lokalen Ebene für unseren Segelflugsport werben.

 

Sicherheit

Sicherheit bleibt ein immens wichtiges Thema. Nach wie vor gibt es viel zu viele schwere Unfälle, vor allem im Alpensegelflug. FLARM an Bord unserer Maschinen trägt zu unserer eigenen Sicherheit bei! Fortschritte in den elektronischen Technologien werden uns in der Zukunft noch weitergehendere Informationen zu unserer Sicherheit liefern können. Ein Durchbruch wäre auch dem Gesamtrettungssystem von Streifeneder zu wünschen, das den Weg in nennenswerte Stückzahlen bisher nicht geschafft hat. Auch Cockpitauslegung und Crashsicherheit sind wichtige Themen für unsere Konstrukteure, die Ostiv und in der IGC.

Aber seien wir vorsichtig, wenn wir zuviel fordern, dann werden unsere Flugzeuge noch schwerer und noch teurer und wir müssten die Clubklasse dann gleich abschaffen. Die klassischen Wege zur Verbesserung der Flugsicherheit sind weiterhin Aufklärung, gezieltes Training, Multiplikatorenlehrgänge und vor allem Übung. Viel Fliegen bleibt ein wichtiges Rezept der Unfallprävention.

 

Nachwuchs- und Talentförderung

Die Kaderschmiede für unsere Spitzenpiloten ist die Sportkompanie der Bundeswehr. Fast alle haben diese „Schule" durchlaufen, ein Verdienst und Vermächtnis von Rainer Wienzeck. Aber was machen wir, wenn die Bundeswehr aus Kostengründen die Sportförderung einstellt? Würde einer Segelflugnation unseres Kalibers nicht eigentlich ein nationales Leistungszentrum gut anstehen? Und fehlt uns nicht auch ein gut gepolsterter „Förderverein deutscher Segelflug", um talentierte Nachwuchspiloten zu fördern, deren Eltern nicht vermögende Segelflieger sind? Und wie wäre es – in wirtschaftlich wieder besseren Zeiten–mit „fund-raising" auch im Segelflug?

 

Mentoring im Segelflug

Keine Frage, die Bedeutung der Vernetzung unserer Verbände nach außen zu Behörden und politischen Entscheidungsträgern ist uns sofort einsichtig. Wäre es nicht auch an der Zeit, Netzwerke nach innen zu schaffen? Modelle aus Industrie und Hochschulen lassen sich auch auf Verbände und Vereine übertragen.

Mentoring-Programme könnten dazu beitragen junge Sportler zu fördern, im Leistungssegelflug wie auch für Führungspositionen im Verein oder unseren Landesverbänden. Mentoring ist ein möglicher Schlüssel zur aktiven Zukunftsgestaltung.

 

Vereine

Vereine sind unsere fliegerische Heimat. Sie sind Grundlage für den Breiten- und den Spitzensport. Klar ist aber auch, dass der Schlüssel für die weitere Mitgliederentwicklung ganz wesentlich bei den Vereinen liegt. Hier liegt eine große Verantwortung. Das „Mikroklima" im Verein ist entscheidend für die Mitgliederbindung, dies sagt uns eine Untersuchung aus Australien, die von Terry Cubley durchgeführt wurde. Und auch das Undenkbare muss gedacht werden:

Bündelung der Ressourcen unter kleinen Vereinen, vielleicht auch der Weg zu Zusammenlegungen oder gar Zusammenschlüssen. Und führt nicht auch bei Fluggeländen ohnehin der Weg zu größeren Zentren mit besserer Infrastruktur? Es ist eine große Aufgabe, unsere Vereine zukunftssicher zu machen.

 

Meine Wünsche für den deutschen Segelflug

In Märchen gibt es manchmal eine gute Fee, die zu einem kommt und Wünsche erfüllt. Meine persönlichen drei Wünsche wären:

  • Dass es auch in zehn Jahren noch einen schlagkräftigen deutschen Aeroclub gibt, unter dessen Dach alle Luftsporttreibenden in Deutschland und alle Luftsportarten vereint wären. Wir hätten dann vielleicht 200.000 Mitglieder und damit Gewicht und Durchsetzungskraft. Dazu gehören natürlich flexible Strukturen mit der richtigen Balance aus föderalen und zentralen Elementen.
  • Mein zweiter Wunsch wäre der, dass es in 10 Jahren immer noch die deutschen Segelflugzeughersteller gibt, bei denen wir weiterhin diese wunderbaren Flugzeuge kaufen können. Dies ist nicht selbstverständlich im Hochlohnland Deutschland.
  • Mein dritter Wunsch ist ein besonderer:
    Ich wünsche mir, dass in zehn Jahren die Hälfte der Segelflieger gar keine Segelflieger sondern Segelfliegerinnen sind. Dann hätten wir auf ein Mal fast doppelt so viele Mitglieder und viele unserer Sorgen wären gleichzeitig verschwunden. Schaffen wir ein Klima im Verein und auf dem Flugplatz, das Frauen Freude macht, mit uns zusammen unseren wundervollen Sport auszuüben.

Leider gibt es die Feen nur im Märchen. Ob meine Wünsche in Erfüllung gehen weiß ich nicht. Um unseren Segelflug muss uns aber nicht bange sein. Wir wissen doch, dass zwischen Aufwindfeldern auch Abwindfelder sein müssen. Ewigen Aufwind kann es nicht geben. Wir kennen aber auch die Sollfahrttheorie:

Es gilt Fahrt aufzunehmen, zu beschleunigen und loszufliegen und neue Aufwindfelder zu entdecken.

Die besten Mittel für die Gestaltung unserer Zukunft sind Selbstbewusstsein und unsere Begeisterung! Wenn wir diese nach außen tragen, dann schaffen wir es auch, hartnäckige Bürokraten für unsere Belange einzunehmen, die Medien für uns zu interessieren und am Ende das Wichtigste:

Junge Menschen für unseren Sport zu gewinnen!

 

 

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