DG Flugzeugbau GmbH / Passion, Power + Performance

DG-1001M - ein Segler zum Wohlfühlen

Bericht und Fotos von Helge Zembold aus dem Magazin Segelfliegen 6/2010

Der Trend zum Eigenstarter macht auch vor den Doppelsitzern nicht halt. DG Flugzeugbau hat mit der DG-1001M einen Zweisitzer mit überschaubarer Spannweite und einfacher Motorbedienung auf den Markt gebracht, dessen einjährige Erprobung im September abgeschlossen wurde.

Nach einem Jahr wurde die Flugerprobung der DG-1101M abgeschlossen

Laut Holger Back, Geschäftsführer von DG Flugzeugbau, ist die DG-1001M ein typisches Flugzeug für Vereine oder größere Haltergemeinschaften, also ein Flugzeug, das von mehreren Piloten mit unterschiedlicher Flugerfahrung geflogen werden soll. Zum Probefliegen bringe ich demnach beste Voraussetzungen mit: Mit rund 20 Stunden in diesem Jahr ist mein Trainingsstand nicht gerade üppig, Eigenstarts habe ich auch noch nicht viele absolviert und DG-Erfahrungen so gut wie keine gesammelt.

Der erste Eindruck am Boden: Die DG-1001M ist relativ wuchtig, das weit herausstehende Fahrwerk suggeriert Outdoortauglichkeit, ist aber notwendig, um ohne Wölbklappen den entsprechenden Anstellwinkel zum Abheben zu liefern. Dementsprechend sportlich gestaltet sich der Einstieg in den hoch liegenden Vordersitz; weniger gelenkige Piloten tun sich möglicherweise etwas schwer. Entgegen der ursprünglichen Ausführung im Prototyp, wurde die Fahrwerksachse um zehn Zentimeter nach vorne gesetzt, um die Nicktendenz beim Beschleunigen am Boden zu reduzieren. Hat man den Aufstieg geschafft und lässt sich in die weiche Polsterung fallen, so fühlt man sich wie zuhause auf dem Sofa.

Wie auf dem Sofa

An Geräumigkeit und Bequemlichkeit kommt das vordere Cockpit der DG-1101M meiner Sofaecke schon recht nahe. Mit meinen 1,77 Metern wäre mir allerdings die optional zu bestellende zusätzliche Rückenlehne angenehm, um mich nicht ganz so sehr zum Vollgasgeben strecken zu müssen. Dafür, dass meine Arme zu kurz sind, sind meine Füße zu lang; mit meinen etwas klobigen Stiefeln in Größe 44 stoße ich ab und zu an der Bordwand an.

Das Instrumentenbrett ist aufgeräumt, in der Mitte befindet sich das Herzstück der Motorsteuerung, das System DEI-NT, welches im Eigenstarter vorn und hinten vollständig eingebaut und bedienbar ist. Es wird mit dem Hauptschalter automatisch eingeschaltet und liefert sowohl im Motor- als auch im Segelflug wichtige Systemparameter. Auch die Position des Propellerturms wird grafisch verdeutlicht, der Rückspiegel ist eigentlich überflüssig. Zur Erhöhung der Sicherheit warnt das DEI-NT vor einem nahenden Strömungsabriss, einer nicht verriegelten Haube oder dem vergessenen Fahrwerk.

Das Anlassen des Motors ist ein Kinderspiel

Zündung ein, der Motor fährt aus, ein Druck auf den Starter und es brummt. Meine anfängliche Unsicherheit, möglicherweise einen Schalter oder Check vergessen zu haben, weicht der Erkenntnis, dass ich es mit einem unglaublich bedienerfreundlichen System zu tun habe.

Das Herzstück im Cockpit: Das Motor-Kontroll-Element DEI-NT liefert im Motor-und Segelflugbetrieb wichtige Informationen. Der rote Schalter dient zum Umschalten der Einspritzanlage auf das Notfallsystem.

Der SOLO 2625-3 des Prototypen mit 5o kW (68 PS) und elektronischer Einspritzung hat bislang mehr als 8o Stunden absolviert, was sogar Geschäftsführer Holger Back erstaunt:

„Normalerweise hatte man bei diesen Motoren nach 50 Stunden die ersten kleinen Problemchen." Back führt dies auf die Laufruhe des Motors zurück, die man durch eine neue Lagerung und fünf Keilriemen erreicht hat, die die Bewegungen des Motors gegenüber dem Propellerträger ausgleichen.

Beim Rollen ist auf dem relativ feuchten Gras in Bruchsal ist von einem „auf die Nase gehen" nicht viel zu merken. Ist man erstmal in Schwung, lässt sich die Richtung über das lenkbare Heckrad trotz abgelegtem Flügel gut halten. Gebremst wird über die Bremsklappen, die sich für das Anlassen oder den späteren run-up vor dem Start in hinterster Position als Parkbremse verriegeln lassen.

Schiebt man den Gashebel an den Anschlag nach vorn, marschiert die DG zügig los und lässt sich bei 80 km/h abheben; gemäß Handbuch beträgt die Startrollstrecke rund 250 Meter. Mit 95 km/h, der Geschwindigkeit des besten Steigens, steigt der 20Meter-Segler mit zweieinhalb bis drei Metern pro Sekunde gen Himmel.

Notfallsysteme für Trieb- und Fahrwerk

Das Fahrwerk wird elektrisch ein- und ausgefahren und ist durch eine ausgeklügelte Bedienreihenfolge gegen unbeabsichtigtes Einfahren am Boden geschützt. Bei einem Stromausfall im Flug fährt ein Notsystem das Hauptrad mittels Gasdruckfeder aus. Der Griff hierfür sitzt relativ nah am Trimmknopf.

Falls die elektronische Einspritzung des Motors zickt, kann über einen „Emergency-Schalter" der Triebwerks-Notbetrieb aktiviert werden; dies macht sich durch einen kurzen Drehzahlabfall bemerkbar, danach soll der Motor normal weiterlaufen, die Einspritzung wird aber weniger fein reguliert. Das Notfallsystem gehört bei der DG-1001M zur Serienausstattung, lediglich der zweite Notschalter im hinteren Cockpit muss separat bestellt werden.

Will man mit Motorkraft reisen, so ergibt sich aus maximal 40 Litern Zweitaktgemisch eine Reichweite von knapp 300 Kilometern bei 150 km/h und 6300 U/min. Im Sägezahnflug sollen bei bestem Gleiten, das bei Höchstmasse mit 1:47 bei 124 km/h angegeben ist, bis zu 800 Kilometer möglich sein.

Das Abstellen des Motors ist ähnlich simpel wie das Anlassen:
Gashebel auf Leerlauf, die Zündung wird ausgeschaltet, der Motor stoppt und der Propeller wird vom Wind in senkrechter Position an den Propellerstopper gedrückt und fährt dann ein. Ein Abkühlen bei geöffneten Motorklappen ist nur an sehr heißen Tagen notwendig.

In der Luft ist die DG durchaus gutmütig, nahe der Mindestfluggeschwindigkeit werden die Ruder weich und die Reaktionen träge, das Abreißen selbst kündigt sich durch lauthalses Lärmen des DEI und Schütteln des Fliegers an. Zieht man konsequent weiter, kippt die Maschine nach kurzem Sackflug nach vorne rechts ab und lässt sich schnell wieder einfangen. Bei unserem Fluggewicht von rund 730 Kilogramm lag die Abrissgeschwindigkeit bei rund 75 km/h, im Kurvenflug rund zehn Stundenkilometer höher. Beim Kurbeln in der zerrissenen Herbstthermik über dem Murgtal liegt die DG mit rund 100 km/h am besten im Bart, darunter wird sie deutlich träger.

Das Horizontbild der DG ist für mich, der hauptsächlich Duo Discus fliegt, aufgrund der weit heruntergezogenen Haube zunächst sehr gewöhnungsbedürftig; ich tendiere anfänglich dazu, die Nase zu hoch zu nehmen. Auch die Ruderabstimmung ist für mich ebenfalls ungewohnt, ich setze bei den ersten Kurven zu wenig Seitenruder ein, welches einen relativ großen Weg benötigt. Trimmen muss ich kaum, der Schwerpunkt wurde vor dem Start mittels Trimmgewichten im Heck an unser Gewicht angepasst. Einen Heckwassertank sucht man in der DG-1001M vergebens, er ist aufgrund der Lage des Motors nicht nötig; auch Wasserballast in den Flügeln ist nur optional vorgesehen, da sich bei unserem Gewicht gerade noch 6o Liter Wasser mitnehmen lassen würden.

Auf dem Rückweg vom Schwarzwald kann ich die Gleitflugeigenschaften in der ruhigen Herbstluft testen, sie stehen dem Duo Discus in nichts nach.

Vor der Landung in Bruchsal fahre ich das Fahrwerk elektrisch aus, dies dauert knapp fünf Sekunden. Die Bremsklappen saugen sich nach dem Entriegeln leicht heraus, sind aber gut zu dosieren und wirksam. Obwohl ich damit gerechnet hatte, aufgrund des ungewohnt hohen Fahrwerks zu spät abzufangen, gelingt mir eine erstaunlich sanfte Landung.

Fazit:

Aus meiner Sicht ist die DG-1001M gut für den Betrieb mit unterschiedlichen Piloten geeignet. Auch Wenigflieger kommen mit der Motorbedienung gut zurecht, es gibt mit Zündung, Anlasser und Testknopf für die Zündkreise letztendlich nur drei Schalter, mit denen man nicht viel falsch machen
kann.

Der Flieger aus Bruchsal ist auf Komfort und Sicherheit ausgelegt, für einen entspannten Sonntagnachmittagsausflug ohne Beanspruchung einer Bodencrew oder Rückholmannschaft ist er optimal.

Ein Schnäppchen ist die DG-1001M nicht: 139.900 Euro Nettopreis müssen für den nackten Flieger veranschlagt werden. Sechs Maschinen wurden bereits ausgeliefert, sechs weitere befanden sich Anfang Oktober in Bruchsal in der Produktion. Auf dem Segelfliegertag in Ulm plant DG Flugzeugbau die Vorstellung eines weiteren Derivats der DG 1000-Serie:

Die DG-1001TE ist mit einer Elektro-Heimkehrhilfe ausgerüstet.


Technische Daten der DG-1001M

 

verwandte Themen und Artikel:

 


DG-1001M - der Selbststarter

 

DG-1000 - Eindrücke und Kommentare

Notlaufsystem für die DG-1001M

 

DG-1000 - Flugbericht von Mario Wichmann

 

Die Trimmbox der DG-1001

 

Kunstflugerprobung der DG-1000S/18m

 

DG-1001T  - die Turbo-Version

 

DG-1001 Fahrwerk

 

Nach oben | Home | Kontakt | Newsletter | Handbücher | Bestellinfo | Ersatzteile | Techn. Fragen | Fragen allgemein