Bericht von Gerhard Marzinzik im Aerokurier 12/2003
Gut steigen konnte die DG-808S immer schon. In der Competition-Version kann sie jetzt mit einer 51er-Flächenbelastung fliegen und wird damit zum Renner zwischen starken Aufwinden. Wie gut sie 240 kg Ballast verträgt, hat sie für diesen Flugbericht gezeigt.
DG-808S im WM VergleichBei der Segelflug-WM 2003 ist Ralf Fischer mit der DG-808S Competition in der 18-m-Klasse zu zwei überragenden Tagessiegen geflogen, einen weiteren hat er knapp verpasst. Den Platz in der Spitze verlor er mit einer unglück-lichen Außenlandung, eine weitere während der Aufholjagd hat ihn schließlich im Mittelfeld platziert. aerokurier: Ralf, was hat dich bewogen, bei der WM mit der DG-808S Competition zu starten? Interview: Gerhard Marzinzik Ralf Fischer setzt auf die |
Rund 65 Liter mehr packen die Tanks der DG-808S in der neuen Competition-Version. Mit 18 m Spannweite kommt sie so auf eine maximale Flugmasse von 600 kg, was einer Flächenbelastung von 50,8 kg/m' entspricht. Möglich wurde die Auflastung mit einer strukturellen Verstärkung im Außenflügel. Das hohe Tankvolumen stellen zwei zusätzliche Ballasttanks im Rumpf sicher, sie dienen gleichzeitig zum Ausgleich von Schwerpunktvorverschiebungen durch den Ballast in den Flügeltanks. Die Ein- und Auslassöffnungen der Flügeltanks befinden sich auf der Flügelunterseite. Die Füllöffnungen für die Rumpftanks finden sich direkt hinter der Flügelhinterkante.
Für die Flügelinnentanks und den vorderen Rumpftank sowie die äußeren Flügeltanks und den zweiten Rumpftank, der ebenfalls im vorderen Bereich des Leitwerkträgers angeordnet ist, gibt es jeweils einen Ablasshebel. Das Hauptsystem mit 2 mal 62 Litern im Innenflügel und 29,5 Litern im Rumpf sowie das System mit den Außentanks mit 2 mal 35 Litern und Rumpftank mit 13,5 Litern Fassungsvermögen lassen sich damit unabhängig voneinander bedienen. Die geschickte Kombination vermeidet Schwerpunktverschiebungen, wenn nur ein Tanksystem entleert wird.
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Strukturelle Verstärkungen hat die DG-808S auch im Cockpit erfahren. Ähnlich wie das Schwestermodell DG-808C erhielt sie Aussteifungen mit Längsstringern zur Erhöhung der passiven Sicherheit. Im Gegensatz zur 808-B beanspruchen diese Stringer weniger Platz und schränken den Innenraum nicht ein. Allerdings ist das S-Cockpit enger ausgelegt als das der B.
Als weiteres Sicherheitsmerkmal wird die Bremsklappenbedienung der neuen S mit dem von DG so getauften Piggott-Haken ausgestattet, der bei (versehentlich) nicht verriegelten Sturzflugbremsen das weitere selbstständige Ausfahren der Bremsen verhindert. Die für den Flugbericht zur Verfügung stehende Competition war zudem mit den optional erhältlichen Mückenputzergaragen im Rumpf ausgestattet. Diese aerodynamisch geschickte Unterbringung der Mückenputzer, die bislang so allein von DG angeboten wird, dürfte eine lohnende Ausgabe sein, muss doch davon ausgegangen werden, dass frei im Flügel-Rumpf-Übergang geparkte Geräte einen mindestens ebenso hohen negativen Einfluss auf die Flugleistung haben wie eine leichte Mückenverschmutzung des Flügels.
Unproblematisch im Startlauf
Ausprobieren kann ich die voll betankte Competition Anfang Oktober in Bruchsal bei lebhaftem Nordostwind. Mit den maximal 600 kg am Seil braucht die Remorqueur auf der Grasbahn schon etwas länger, um die DG808S in die Luft zu bringen. Aber selbst bei dem herrschenden Seitenwind kann ohne Probleme gleich mit positiver Klappenstellung (10 Grad) angerollt werden, so dass Umwölben in der Startphase auch bei der hohen Beladung nicht notwendig ist.
Die Sicht im Schlepp ist gut. Trotz der Turbulenzen braucht nicht viel nachgesteuert zu werden. Stabil bleibt die Competition hinter dem Schleppflugzeug. Die hohe Flächenbelastung lässt sie sich nicht anmerken. Auch im freien Flug macht sich die hohe Masse im Handling nicht negativ bemerkbar. Die Gutmütigkeit des Langsamflugverhaltens hat unter dem Zuwachs an Zuladung nicht gelitten. Die Überziehgeschwindigkeit liegt mit der 0Grad-Klappenstellung bei angezeigten 82 km/h, bei der 10-GradKlappenstellung etwas darunter. Bei minimaler Flächenbelastung liegen die Werte mehr als 10 km/h niedriger.
Den Kurvenwechsel von 45 Grad zu 45 Grad Hängewinkel vollzieht die schwere Competition bei zirka 110 km/h (Wölbklappen: 10 Grad) in rund vier Sekunden und ist damit kaum wahrnehmbar träger als mit leeren Tanks. Für das Manöver sind deutliche Querruderkräfte und beherzte Seitenruderausschläge aufzubringen. Sie müssen allerdings auch bei abgelassenem Ballast aufgebracht werden. Im üblichen Einsatzprofil eines Thermikflugs, zu dem der Kurvenwechsel von 45 zu 45 Grad Schräglage ja nicht gehört, relativieren sich die aufzubringenden Ruderkräfte. Hier zeigt die DG-808 ein ausgewogenes Verhalten. Und damit kommt in den engen, etwas ruppigen Bärten, die sich überraschend an dem späten Herbsttag bilden, dann richtig Freude auf. Willig und schnell folgt die 808 den Ruderausschlägen und macht es damit leicht, sie in die Zonen des besten Steigens zu platzieren.
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Mit der 51er-Flächenbelastung will sie in engeren Kreisen (bis 45 Schräglage) schon mit 110 km/h und darüber, in turbulenten Aufwinden mit 120 km/h geflogen werden. Leer kann man sie mit 80 km/h und weniger in den Bart hängen.
Mein Resümee nach zwei Stunden Herbstthermik:
Die DG-808S Competition verträgt den Zuwachs an Zuladung sehr gut. Nachteile ließen sich im Handling nicht feststellen. Dafür hat sie deutlich an Einsatzspektrum gewonnen. Mit der 51er-Flächenbelastung ist sie fit für starke Wetterlagen, bei schwachen Bedingungen hatte sie schon zuvor hervorragende Kurbelleistungen gezeigt.
Gerhard Marzinzik
(Der Hersteller ist aber "DG Flugzeugbau" - nicht Glaser-Dirks......)

DG-808S über dem Schloss von Bruchsal
Gerade rechtzeitig zu diesem Artikel erteilte uns das Luftfahrt-Bundesamt auch die Musterzulassung der neuen DG-808S:
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DG-808C Competition - eine weitere Produktverbesserung |
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